Bericht "Alb-Bote", MONTAG, 29. SEPTEMBER 2003
HEIMATSPORT
Podiumsdiskussion beim FC Geißlingen - Ex-VfB-Profi Günther Schäfer erzählt über Chancen
 
Vom Stützpunkt in den Profizirkus
 
Man muss in seiner Jugendzeit in keinem Bundesligaverein gespielt zu haben, um später Profifußballer und Nationalspieler zu werden. Das war eine der vielen Aussagen die Gühther Schäfer, Ex-Profi des VfB Stuttgart, im Rahmen einer Podiumsdiskussion im Gemeindesaal in Geißlingen traf.
Fußball: (neu) Die vom Alb-Bote-Sportredakteur Günter Salzmann moderierte Diskussionsrunde mit dem ehemaligen Bundesligaspieler und heutigen Fanbeauftragten des VfB Stuttgart, sowie Fritz Schulz, Trainer im DFB-Stützpunkt Tiengen und Marcel Kieliszek, Jugendleiter des FC Geißlingen, war das I-Tüpfelchen auf ein gelungenes Jubiläumsjahr der Geißlinger Fußballer. Viele Jugendspieler und Jugendtrainer aus Geißlingen und den Nachbarorten wurden von den Experten auf dem Podium ausreichend über die Möglichkeiten eines jungen Fußballers in einem kleinen Verein informiert.
Beispielhaft dafür stand wohl die Kariere von Günther Schäfer, der in 16 Jahren 331 Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart bestritt, neun Tore im Dress mit dem roten Brustring erzielte und "mindestens 450 verhinderte" (Schäfer). "Tore verhindern ist genauso wichtig", erklärte der frühere Abwehrspieler des VfB. Dafür applaudierten die Jugendspieler.
Günther Schäfer begann seine Laufbahn in Neustadt, ein 5000-Seelen-Dorf vor den Toren Stuttgarts. Er war 13, als er beim VfB anklopfte und dort Fuß fasste. "Ich habe damals wahnsinnig viele Tore geschossen", erinnerte sich Schäfer. Er habe ein Ziel vor Augen gehabt, und dieses konsequent verfolgt. Er habe Rückschläge wegstecken müssen. Ein starker Wille und Verzicht auf vieles verhalfen ihm später zum Sprung in den Lizenzkader.
Damit zeigte der Ex-Profi den aufmerksamen Zuhörern im gut besetzten Saal in Geißlingen eine Möglichkeit auf, um einen erfolgreichen Weg als Fußballer zu bestreiten. "Man muss nicht in einer Auswahl gespielt zu haben, man braucht eine gute Ausbildung", erklärte Schäfer worauf es letztlich ankommt. Den Weg, den man sich vorgenommen habe, müsse man konsequent durchziehen. Hat man dazu ein gewisses Talent, hätte man gute Chancen, ein Bundesligaspieler zu werden.
Positiv wertete der sympathische Schwabe die vom DFB umgesetzte Idee der Stützpunkte: "Dort kann man sich das erarbeiten, um später den Sprung zu schaffen." Zum Profi werden, ergänzte DFB-Stützpunkttrainer Fritz Schulz, gehöre weitaus mehr als Ballgefühl, Grundtechniken und koordinative Fähigkeiten. Man müsse beharrlich sein, immer konsequent an sich arbeiten. In den Stützpunkten können Talente ihre persönlichen Qualitäten verbessern, und sie hätten die Möglichkeit, so Schulz, diese auch zu zeigen.
Die Stützpunkte seien das zweite Standbein zu den Lizenzvereinen. Mit diesem Projekt verfolge der DFB ein klares Ziel: Es sollen alle Talente erkannt und gefördert werden. Es sei eine Chance für Nachwuchsspieler auch aus kleinen Vereinen. Fernziel ist dennoch, Talente den Lizenzvereinen zuzuführen. Als eher kritisch sah Fritz Schulz die Situation am Hochrhein an: "Wir haben hier fast keine leistungsorientierten Mannschaften, wo Talente gefordert werden können."
Das beste Beispiel, wie ein Spieler via Stützpunkt den Weg zum Profi fand, sei Sebastian Deisler, der heute beim FC Bayern München unter Vertrag steht. Deisler spielte beim FV Lörrach, kam ins Fördergruppentraining und wurde in der Sportschule Steinbach bei einem Stützpunktturnier von Spähern entdeckt.
In einem Punkt waren sich Günther Schäfer, Fritz Schulz und Marcel Kieliszek, mit einem Wink in Richtung Vereinstrainer, einig. Was zählt, ist nicht der Erfolg um jeden Preis, sondern eine gute Ausbildung der Nachwuchsspieler. Profitieren könnten, so der Tenor, über kurz oder lang, Profivereine und Amateurvereine. Angestrebt werde letztlich eine Qualitätsverbesserung in allen Bereichen.